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Die Work-Life-Balance der Deutschen gehört zu den besten in Europa

Die Work-Life-Balance der Deutschen gehört zu den besten in Europa

  • Published: 5th Juli 2021, 17:31

Wir alle streben nach einer perfekten Work-Life-Balance, die es uns ermöglicht, gutes Geld zu verdienen und gleichzeitig genügend Zeit für Familie, Freunde und Spaß zu haben.

Welche europäischen Länder haben die Formel also bestmöglich gelöst? Und wie misst man überhaupt ein solches Konzept? Antworten dazu finden sich in den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage von Eurofound in verschiedenen EU-Ländern im Februar und März 2021. Darin wurden die Teilnehmenden gefragt, wie oft sie in den letzten zwei Wochen Dinge wie Arbeit in ihrer Freizeit erledigt haben, sich wegen des Jobs zu müde gefühlt haben, um nötige Hausarbeit zu erledigen, sich durch ihre Arbeit davon abgehalten fühlten, Zeit mit der Familie zu verbringen oder über ihren Job außerhalb der Arbeitszeit nachgedacht haben.

MoneyTransfers.com rechnete den Prozentsatz der Personen zusammen, die diese Fragen mit „immer“ oder „meistens“ beantworteten, um 12 Ländern einen „Stress-Score“ zu geben – ein Zeichen für eine schlechte Work-Life-Balance oder zumindest eine gefühlte.

Das Leben in sonnigen Gefilden einschließlich einer kilometerlangen atemberaubenden Küste reichte nicht aus, um zu verhindern, dass Arbeitende in Griechenland die höchste Stressbewertung (130,1) erhielten. Sie hatten den höchsten Prozentsatz von Menschen (40 %), die das Gefühl hatten, ihre Hausarbeit wegen der Arbeit vernachlässigt zu haben, und diese Arbeit hielt sie davon ab, ihre Familie so oft zu sehen, wie sie wollten (32,2 %).

Die am zweithäufigsten gestressten Bürger leben in Portugal, wo sich die Menschen am meisten Sorgen um ihre Arbeit machten (38  %), und es gleichzeitig eine der höchsten Quoten von Menschen gab, die Teile ihrer Freizeit dem Job opferten (20,2 %).

Am anderen Ende der Skala lag Dänemark mit einem Stress-Gesamtwert von 57. Nur 9,6 % der Dänen gaben an, in ihrer Freizeit zu arbeiten, und nur 10,4 % meinten, Arbeit bedeute Verzicht auf Familienzeit. In den Niederlanden, dem fast ebenso entspannten Land, gaben noch weniger an, wegen der Arbeit nicht genug Zeit mit der Familie zu verbringen (9,4 %).

Deutschland gehört zu den Ländern mit der geringsten Belastung, mit einer etwas schlechteren Work-Life-Balance als Schweden und etwas besser als in Polen. Nur 11,9 % arbeiteten in ihrer Freizeit, während 19,2 % der Meinung waren, dass die Arbeit sie davon abhält, genug Zeit mit der Familie zu verbringen. Zudem waren 28,7 % der Meinung, dass die Arbeit sie davon abhält, all ihre notwendigen Hausarbeiten zu erledigen, und 14,7 % hatten sich in den letzten zwei Wochen Sorgen um die Arbeit gemacht.

Leisten also Griechenland und Portugal ständig Überstunden, während Dänemark und die Niederlande früh Feierabend machen?

Nicht ganz. Bei der Eurofound-Umfrage wurden die Menschen auch gefragt, wie viele Wochenstunden sie im letzten Monat durchschnittlich gearbeitet haben. Als MoneyTransfers.com dies mit ihrem Stress-Score verglich, fanden wir nur eine schwache Korrelation zwischen der wöchentlichen Arbeitszeit und der Work-Life-Balance.

Zwar arbeiteten die Niederländer die wenigsten Wochenstunden (37,3), kombiniert mit einem der niedrigsten Stresswerte (65,8), während die Spanier mit am meisten arbeiteten (42,3 Stunden) und auch einen der höchsten Stresswerte (116,9) hatten – bei allen anderen Ländern gab es diesen Zusammenhang jedoch nicht:

So gehörte das am stärksten gestresste Land – Griechenland – zu denen mit den wenigsten Wochenstunden (38,6 h). Und das am wenigsten gestresste Land – Dänemark – kam auf die zweithöchste Wochenstundenzahl (42,4 h).

Deutschland blieb, wie andere Länder, mit relativ kurzen Arbeitszeiten (37,3 h) und einem niedrigen Stresswert (74,5) im erwarteten Rahmen. Andere Länder dagegen, wie Portugal und Italien, wiesen kurze Arbeitszeiten, aber hohe Stresswerte auf.

Was bedeutet das alles?

Offensichtlich geht es bei einer guten Work-Life-Balance nicht nur darum, wie viele Stunden am Tag man arbeitet, sondern um die individuelle Sichtweise. Es geht darum, wie sehr Sie das Gefühl haben, dass die Arbeit Ihre Freizeit beeinträchtigt, wie müde und gestresst Sie sind und wie viel Zeit Sie mit anderen Dingen als der Arbeit verbringen möchten.

Familienorientierte Griechen haben möglicherweise das Gefühl, dass die Arbeit sie davon abhält, ausreichend Zeit mit ihren Verwandten zu verbringen, obwohl sie gar nicht so viel Zeit bei der Arbeit verbringen – „ausreichend Zeit“ bedeutet eben für jeden etwas anderes.

Diese Studie widerspricht einigen Stereotypen – zum Beispiel wird oft berichtet, dass Menschen in Dänemark kurze Arbeitszeiten haben, was zu ihrem allgemeinen Glück beiträgt. Aber die gleichen dänischen Umfrageteilnehmer, die angaben, lange Arbeitszeiten zu haben, hatten immer noch das Gefühl, dass sie eine gute Work-Life-Balance haben. Vielleicht wegen all dem hygge

Wie finden Sie eine bessere Work-Life-Balance?

Wir haben Rebecca Siciliano, Managing Director bei Tiger Recruitment, einer in London ansässigen Boutique-Personalvermittlungsagentur mit einem globalen Kundenstamm, gefragt.

Tipps für Mitarbeitende

Erstellen Sie eine Routine

Wenn Sie mobil oder von zu Hause aus arbeiten, strukturieren Sie Ihren Tag wie im Büro, um eine schleichende Zunahme von unerledigten Aufgaben zu vermeiden. Setzen Sie sich klare Ziele und erstellen Sie einen Zeitplan dafür, was Sie wann tun werden, unterbrochen von bildschirmfreier Zeit. Es ist wichtig, Ihre Augen ausruhen zu lassen, Ihren Körper zu dehnen und Ihrem Geist eine Pause zu gönnen.

Arbeitszeiten festlegen

Eine weitere Möglichkeit, Rund-um-die-Uhr-Arbeit (bei Home-Office) zu vermeiden, besteht darin, klare Arbeitszeiten festzulegen und diese auch einzuhalten. Vergessen Sie nicht, diese an Ihr Team zu kommunizieren, damit sie wissen, wann Sie erreichbar sind.

Abschalten für den Tag – und für die Woche

Schalten Sie Ihren Laptop aus und packen Sie Ihre Arbeitssachen am Ende des Tages ein, da dies Ihrem Gehirn signalisiert, dass der Arbeitstag vorbei ist. Wenn Sie den Luxus eines Homeoffice haben, behandeln Sie es wie Ihr normales Büro und verlassen Sie es (und kehren Sie nicht zurück!), wenn Sie Ihren Arbeitstag beendet haben.

Wenn Sie keine dringenden Aufgaben zu erledigen haben, sollten Sie die Wochenendarbeit auf ein Minimum beschränken, damit Sie Ihre Batterien vollständig aufladen können.

Tipps für Arbeitgeber

Grenzen respektieren

Vermeiden Sie es, Mitarbeitende außerhalb der Bürozeiten und während des Jahresurlaubs zu kontaktieren (ja, das kommt vor), es sei denn, dies ist unbedingt erforderlich. Dies wird ihnen helfen, gesunde Grenzen zu wahren.

Gesundes Verhalten fördern

Ermutigen Sie Ihr (Remote-)Team, feste Arbeitszeiten festzulegen, diese einzuhalten und während des Arbeitstags kurze Pausen einzulegen, in dem Wissen, dass gesunde, ausgeruhte Mitarbeiter produktiver sind.

Die Konzentration auf Ergebnisse und Leistungen – und nicht darauf, wann oder wie viele Stunden Menschen arbeiten – gibt den Mitarbeitenden die Freiheit, ihren Tag entsprechend ihrem Lebensstil zu gestalten, und trägt dazu bei, der Kultur der ständigen Bereitschaft für den Job ein Ende zu setzen.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Der wirksamste Weg, um eine gesunde Work-Life-Balance in Ihrem Team zu fördern, besteht darin, gesundes Verhalten vorzuleben. Das Setzen Ihrer eigenen angemessenen Grenzen gibt Ihrem Team die Erlaubnis, diesem Beispiel zu folgen.

Newsdesk
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